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Chronologie des Somaliakonflikts

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Der zweite Bürgerkrieg

September 1991:Der USC (Hawiye-Clan) zerfällt in zwei verfeindete Lager (Hawiye-Habr-Gidir [Aidid] und Hawiye-Abgal [Mahdi]). Das Land spaltet sich in Aidid- oder Mahdi-Anhänger, alle staatlichen Strukturen werden zerstört. Es kommt zu Kämpfen in Mogadischu, die sich über das ganze Land ausbreiten.
November 1991 - Februar 1992:
Der Konflikt in Somalia fordert etwa 10.000 Todesopfer und bis zu 30.000 Verletzte. Januar 1992:Eine Verhandlungsdelegation der UNO trifft in Mogadischu ein. Ziel: ein Ende des Krieges zu erreichen (Jonah-Mission). Aidid verweigert eine UNO-Vermittlung.
23.01.1992:
Erste UNO-Resolution (Nr. 733) zu Somalia: Appell an die Kriegsparteien, den Konflikt zu beenden. Nach Eintreten einer Waffenruhe erklärt sich die UNO bereit, humanitäre Hilfe zu entsenden. Ein Waffenembargo wird verhängt.
14.02.1992:
Beide USC-Konfliktparteien verpflichten sich bei der UNO in New York in getrennten Gesprächen zu einer Waffenruhe und zur schnellen Unterzeichnung eines Waffenstillstandes. Ungeachtet dessen gehen die Kämpfe in Mogadischu weiter.

03.03.1992:
Einverständniserklärung von Mahdi und Aidid über die Entsendung von UNO-Militärbeobachtern in Zivilkleidung. Daraufhin beschließt UNO-Sicherheitsrat ein Kontingent von 50 UNO-Beobachtern zur Überwachung des Waffenstillstandes.

17.03.1992:
UNO-Resolution 746. Alle Bürgerkriegsparteien werden aufgefordert, die Sicherheit des Personals der humanitären Organisationen zu gewährleisten. Der UNO-Generalsekretär legt einen 90 Tage-Aktionsplan vor, der eine beschleunigte Verteilung von humanitären Hilfsgütern sicherstellen soll. Er fordert die Entsendung von Truppen zur Überwachung des Waffenstillstandes und der humanitären Hilfstransporte.


April 1992:
Siad Barre lässt seine Truppe mit schwerem militärischen Gerät auf Mogadischu vorrücken und verursacht in der Stadt Afgoi (30 Kilometer westlich von Mogadischu) eine Massenflucht der Zivilbevölkerung, Mahdi ruft eine "nationale Mobilmachung" aus und fordert zu einer "gemeinsamen militärischen Offensive" auf. General Aidid startet eine Gegenffensive und zwingt Barre zur Flucht nach Kenia. Er erhält im Mai 1992 politisches Asyl in Nigeria.


1992:
Flucht von mindestens 500.000 Somalis wegen der bewaffneten Auseinandersetzungen und des daraus resultierenden Hungers.


UNOSOM I 24.04.1992:UNO-Resolution 571. Die Mission UNOSOM (United Nations Operation in Somalia) wird als Peacekeeping-Operation beschlossen, in dessen Rahmen 50 Militärbeobachter zur Überwachung des Waffenstillstandes bereitgestellt werden. Die beiden USC-Fraktionen von Mahdi und Aidid stimmen dieser Mission zu. Doch sprechen sich fünf kleinere Organisationen dagegen aus, da eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten Somalias abgelehnt wird.


28.04.1992:
UNO-Generalsekretär Boutros-Ghali ernennt den Algerier Mohammed Sahnoun zum UNO-Sonderbeauftragten für Somalia. Dieser beginnt seine Arbeit am 01.05.1992.
27.07.1992:
UNO-Resolution 767. Der Sicherheitsrat verspricht verstärkte Hilfeleistungen für Somalia. Es wird beschlossen, 3.500 UNO-Soldaten zum Schutz der humanitären Hilfslieferungen zu entsenden.
Juli 1992:
50 unbewaffnete UNO-Mitarbeiter beginnen in Somalia mit ihrer Arbeit. August 1992:Die Medien berichten ausführlich über die somalische Katastrophe. Umfangreiche Hilfsprogramme laufen an. Eine Luftbrücke zur Versorgung der Hungernden wird eingerichtet. Es gibt ständige Übergriffe auf Hilfskonvois, ein Teil der Güter muss als "Zoll" an lokale Banden abgegeben werden.

28.8.1992:
Resolution 775. Das Mandat der UNO wird ausgeweitet und über die Hauptstadt hinaus auf andere Teile Somalias ausgedehnt. Es wird bestrebt, die diplomatischen Bemühungen zu verstärken.
Sommer 1992:
Aufbau eines zweiten Stützpunktes durch General Aidid in Bardera (300 Kilometer westlich von Mogadischu), um gegen Mogadischu vorrücken zu können.
September 1992:
Die UNO entsendet 500 Blauhelme zur Absicherung der Hilfsgüter. 11./12.10.1992:Anhänger von Siad Barre erobern unter General Ahmed Warsame Morgan die Stadt Bardera. 11.10.1992:Das Bündnis zwischen Aidid mit den drei anderen politischen Fraktionen in der südsomalischen Hafenstadt Kismayo zerbricht.
20.10.1992:
Rückeroberung der Stadt Bardera durch Aidids Milizen in dessen Verlauf 500 Menschen sterben. Morgan verbündet sich mit Mahdi.
Oktober 1992:
Durch neue Kämpfe wird die Verteilung von Lebensmitteln massiv behindert. Der geplante Einsatz von 4.200 UNO-Soldaten ist dadurch gefährdet. Unterdessen verschlimmert sich die Hungerkatastrophe.
29.10.1992:
Der Sonderbeauftragte der UNO für Somalia Sahnoun verlässt Somalia nach Auseinandersetzungen mit dem Generalsekretär Boutros-Ghali. Als Nachfolger wird Ismat Kittani bestimmt.
November 1992:
Pakistanische UNO-Soldaten werden zum Angriffsziel von somalischen Warlords. Zum Schutz der UNO-Truppe heuert die UNO einige hundert einheimische Bewaffnete an. Es wird nun offiziell zugegeben, dass nur etwa 20 bis 30 Prozent der Hilfsgüter die Hungernden erreichen.

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